Textbeispiele
💐 Abschied & Trauer
Das kann jeder:
"Ruhe sanft."
Das schreibe ich:
"Du warst nie laut, aber du hast in jedem Raum, den du betreten hast, etwas hinterlassen, das jetzt fehlt…"
💍 Hochzeit & Liebe
Als Gast an das Brautpaar – das kann jeder:
"Alles Gute und viel Glück für eure Zukunft."
Das schreibe ich:
"Ich hab euch kennengelernt, als ihr noch zwei getrennte Wege gegangen seid – und durfte zusehen, wie daraus einer wurde. Möge er euch weit tragen…"
Als Liebeserklärung – das kann jeder:
"Ich liebe dich."
Das schreibe ich:
"Vor drei Jahren hast du mir bei Kaffee und Regen gesagt, dass du bleiben willst. Heute sage ich vor allen: Ich will auch bleiben – für immer…"
🎉 Feiern & besondere Anlässe
Das kann jeder:
"Alles Liebe zum Geburtstag!"
Das schreibe ich:
"Fünfzig Jahre, und du bist immer noch die Erste, die lacht und die Letzte, die aufgibt…"
Internetauftritt eines Kunden
🔧 Reifenservice
Der Tatort (so hab ich's vorgefunden):
"Wir sind Ihr Reifenservice vor Ort. Wir bieten Reifenwechsel, Achsvermessung und mehr…"
Nach der Tatortreinigung:
"30 Jahre Erfahrung. Reifenhotel, 3D-Achsvermessung, Laserauswuchten – alles aus einer Hand. Bei uns bekommen Sie nicht irgendeinen Reifenwechsel, sondern die Sicherheit von drei Jahrzehnten Handwerk…"
Warum: Die 30 Jahre Erfahrung standen versteckt im Fließtext. Ich hab sie nach vorne geholt – das stärkste Vertrauenssignal, das der Betrieb hat.
🏍️ Zweiradwerkstatt
Der Tatort (so hab ich's vorgefunden):
Alles auf einer einzigen Startseite: Service-Angebot, ein Satz zu Motorrad-Gespannen mitten im Fließtext, dann die persönliche Geschichte vom Mofa mit 15 bis zum Meisterbrief – dort stand "fachliches Know-how" leicht unpassend neben dem sehr persönlichen Erzählton. Ganz unten außerdem der Hinweis: "Unsere neue Webseite ist voraussichtlich im Spätsommer 2024 fertig."
Nach der Tatortreinigung:
"Know-how" wurde zu "fachliches Wissen" – passt besser zum warmen, persönlichen Ton der Geschichte. Der veraltete Hinweis auf die "neue Webseite ab Spätsommer 2024" flog raus, damit die Seite nicht angestaubt wirkt.
Warum: Kleine Wortwahl-Ausrutscher und vergessene Zeitangaben fallen dem Betrieb selbst oft gar nicht mehr auf – aber jedem neuen Besucher schon, und genau das kostet Vertrauen.
🧪 Fachhändler für Bauchemie
Der Tatort (so hab ich's vorgefunden):
Im Footer der Website stand noch "© 2010". Die Facebook-Seite hatte keinen Link zur eigenen Website. Und geworben wurde mit "30 Jahre Erfahrung" – dabei war die Firma laut Gründungsjahr da schon 46 Jahre am Markt.
Nach der Tatortreinigung:
"46 Jahre Erfahrung, auf die Sie sich verlassen können. 1980 gegründet, heute einer der größten Fachgroßhändler für Dicht-, Kleb- und Schaumstoffe in der Region. Wir kennen die Baustelle – und wissen, worauf es bei Ihrem Material ankommt."
Warum: Eine falsche Zahl bei "Jahre Erfahrung" fällt zwar kaum auf – aber ein Footer aus 2010 schon. Beides zusammen wirkt schnell, als würde seit Jahren niemand mehr auf die eigene Website schauen. Die richtige Zahl (46 statt 30!) ist sogar noch das stärkere Argument.
Trauerrede – Ein Leben auf zwei Rädern
Beispieltext: Trauerrede, ca. 3 Minuten Sprechzeit
Eine Trauerrede lebt von echten Erinnerungen, nicht von Floskeln. Dieses Beispiel zeigt, wie aus persönlichen Details eine Rede entsteht, die wirklich nach dem Menschen klingt, um den es geht.
"Liebe Familie, liebe Freunde, liebe Biker-Gemeinde,
wenn wir heute hier zusammenkommen, um Abschied zu nehmen, dann sehen wir alle das gleiche Bild vor uns: die langen Haare im Wind, der mächtige Bart, das unverkennbare Knattern seiner geliebten Harley-Davidson. Er war kein Mann für das Leise. Er war ein Freigeist, ein echtes Unikat, das das Leben auf jedem einzelnen Kilometer gelebt hat.
Er war ein Mann der nur wenigen Worte. Wir haben oft gescherzt, er habe abgezählte Worte für das ganze Jahr. Sein Motto war klar: Nicht quatschen, anpacken! Und doch hat jede seiner Taten Bände gesprochen. Seine Liebe maß man nicht an seinen Worten, sondern an dem, was er tat, ohne zu fragen.
Er war ein stolzer Familienvater, hilfsbereit ohne Ende, und zu älteren Menschen von einer tiefen, ehrlichen Höflichkeit. Er konnte aber auch anders sein – er war eben echt. Keine Fassade.
Nun hat er seine letzte große Reise angetreten. Frei, unabhängig und erlöst. Er fährt uns jetzt voraus, auf einer Straße ohne Kreuzungen und ohne Tempolimit.
Was uns bleibt, ist der tiefe Stolz, an der Seite dieses wunderbaren Unikats gefahren zu sein.
Schlaf gut."
Kann ich nit – jit et nit
Trauerrede · Sprechzeit ca. 6 Minuten
"Liebe Familie, liebe Freunde,
wir sind heute hier, um Abschied zu nehmen von einem Mann, der das Leben nie halb gemacht hat. Wer ihn kannte, wusste: Bei ihm gab's kein "geht nicht". Wenn irgendwo ein Problem war, dann hat er sich hingekniet, geschaut, überlegt – und gemacht. Reparieren, restaurieren, neu bauen, egal was: Er fand einen Weg. Und wenn er ihn nicht kannte, hat er ihn sich eben selbst beigebracht. "Kann ich nit – jit et nit" – diesen Satz hätte er wahrscheinlich sofort unterschrieben.
Geboren und aufgewachsen ist er in Köln-Porz, mitten im Familienbetrieb – seine Eltern führten dort zwei Drogerien, und er ist mit dem Ladentisch quasi großgeworden. Vielleicht kommt daher auch diese Bodenständigkeit, die ihn sein Leben lang ausgemacht hat: anpacken, nicht lange reden, einfach machen.
Ganz in den elterlichen Fußstapfen ist er trotzdem nicht geblieben. Irgendwann wollte er raus, auf eigenen Beinen stehen – und sich einen Traum erfüllen, den er schon als Junge hatte: oben sitzen, auf dem LKW. Er fing bei einem Kölner Betrieb an, fuhr Schrott im Nahverkehr. Vielleicht lag es in der Familie, denn auch sein Bruder ist später bei den LKW geblieben und hat sich irgendwann ein eigenes Containerunternehmen aufgebaut.
Vater wurde er früh – früher, als er selbst geplant hatte. Aber er hat diese Rolle angenommen, wie er alles angenommen hat: mit beiden Händen. Später kamen noch zwei weitere Kinder dazu, und mit seiner Frau hat er 1988 geheiratet – eine Doppelhochzeit, die bis heute für Geschichten gut ist, weil selbst das Jawort an diesem Tag mit einem Lachen endete. Das war überhaupt typisch für ihn: Wo er war, wurde gelacht. Seine Lache war laut, unverkennbar, man hörte ihn durch den ganzen Raum. Und er hatte auch keine Scheu, aufzufallen. Wieso auch – er war ja jemand.
Er konnte auch über sich selbst lachen. Als seine Tochter ihm mal, während er auf dem Sofa eingeschlafen war, aus lauter Übermut ein Dutzend Zahnstocher in den Bart gesteckt hat, hat er sich nicht geärgert. Er hat gelacht. Das war er: ehrlich bis auf die Knochen, manchmal direkter, als es einem lieb war, aber nie nachtragend.
Und dann, irgendwann in der Mitte seines Lebens, hat er sich noch mal neu erfunden. Die Haare wurden länger, der Bart wuchs, Lederweste und Boots kamen dazu. Am Ende stand eine Harley Davidson in der Garage, von seinem Ersparten gekauft, bar bezahlt, mit sichtlichem Stolz gepflegt. Er ist damit gefahren, wo immer er wollte – meistens allein, denn Vereine und Gruppenausfahrten waren nicht seins. Er brauchte niemanden, der ihm sagte, wo's langgeht.
Dabei war er alles andere als ein Einzelgänger. Er feierte gern, war gesellig, ob auf Festen, bei Veranstaltungen, am Kegelabend oder beim Grillen – trank mal ein Bier oder auch zwei und hat mit seiner Frau, wenn die Musik stimmte, auch schon mal Rock 'n' Roll getanzt. Er war immer mittendrin, nie am Rand.
Was viele nicht wussten: Er hatte Träume, die er sich nie erfüllt hat. Er wollte fliegen. Und er wollte mit seiner Frau, zusammen auf der Harley, zu seinem Sechzigsten einmal die Route 66 fahren. Beides ist ihm nicht mehr vergönnt gewesen – er ist mit nur 48 Jahren viel zu früh von uns gegangen, nach einem Verkehrsunfall, an dessen Folgen er vier Tage später gestorben ist. Ein einziger unachtsamer Moment im Straßenverkehr, und plötzlich war nichts mehr, wie es sein sollte. Vom Fliegen hat er dann, ausgerechnet in diesen letzten Tagen, doch noch etwas mitbekommen – im Rettungshubschrauber, auf dem Weg ins Krankenhaus. Es ist bitter, dass es so kommen musste. Aber vielleicht tröstet es ein kleines bisschen zu wissen: Wenigstens das hat er noch erlebt.
Er war kein perfekter Mensch, und das hätte er auch nie behauptet. Aber er war ein ehrlicher, ein lustiger, ein zupackender Mensch, der seine Familie über alles geliebt hat. Und ein Mensch, der bis zuletzt er selbst geblieben ist.
Ich kann da nur für mich sprechen: Mein Vater hat mir mehr beigebracht, als er eigentlich musste. Früher habe ich mir dabei manchmal wütend eine Träne verdrückt, weil er mich immer mit einbezogen hat, wenn irgendwo angepackt werden musste – den Dachboden ausbauen, und was nicht alles. Heute glaube ich, er hat geahnt, dass ich irgendwann vieles allein hinbekommen muss. Und dank ihm kann ich das heute auch – ganz allein, auch als Frau.
Wir werden ihn vermissen. Seine Lache, seinen Sturkopf, seine Art, jedes Problem einfach anzupacken. Aber wir werden ihn auch in bester Erinnerung behalten – als jemand, der sein Leben gelebt hat, ganz und mit vollem Einsatz, bis zum letzten Tag."
Diese Rede ist eine Arbeitsprobe. Namen und Orte wurden zum Schutz der Anonymität verändert oder ausgelassen.
